Logbuch Sophisterei 19.09.16

Das beste an einer Wahl ist doch, dass der Wahlkampf vorbei ist! Wer in den letzten Wochen in Berlin unterwegs war, dessen ästhetisches Empfinden wurde auf massive Weise vergewaltigt: Zum Teil mir völlig unbekannte Personen mit Sinn entleerten Botschaften waren da auf Plakaten an Laternenpfählen aufgehängt.  Wirklich gruselig. Dabei engagieren die Parteien doch hochbezahlte Werbeagenturen, die Tag und Nacht darüber nachdenken, das Produkt “Politiker” bestmöglich zu vermarkten. Ich vermute die lassen da nur Praktikanten ran – die Generation “keinen Plan”.

Eine hübsche Sophisterei erlaubte sich Berlins Regierender, Michael Müller am Wahlabend. Zeigte er sich doch mächtig stolz darauf, dass die AfD von 86 % nicht gewählt wurde. Wenn man es denn von der negativen Seite betrachten will: SPD von 79%, CDU von 83%, FDP von 94%, Grüne von 85%, Linke von 85% nicht gewählt. Hört sich auch nicht gut an – oder?

Logbuch Sophisterei 12.09.16

Die Welt ist nicht alles, was der Fall ist.

Was ist der Sinn des Lebens? Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, verschwendet seine Zeit: Warum? Jemand, der so fragt, greift sich ein Wort, „Sinn“, heraus, dessen Bedeutung ziemlich schwammig oder sogar völlig unklar ist. Stellen sie sich vor, Sie müssten einem Außerirdischen erklären, was der Ausdruck  „Sinn des Lebens“ bedeutet. Sie würden schnell in Schwierigkeiten kommen, liefen Gefahr, sinnlos sinnlose Sätze zu produzieren. Das muss uns allerdings nicht betrüben, dass wir auf diese Frage keine vernünftige Antwort geben können.  Es wäre ganz im Gegenteil ziemlich furchtbar, wenn es eine eindeutige Antwort  gebe und man wissen könnte: „Der Sinn des Lebens ist x!“ Danach hätten sich dann wohl alle zu richten, die ein sinnvolles Leben zu führen anstreben. Es gebe dann nur diesen einen richtigen Weg. Nur das Offenbleiben dieser Frage ermöglicht daher, sich individuelle entscheiden zu können für das, was für einen selbst sinnvoll, ein sinnvolles Leben ist.

Worüber man nicht schweigen kann, darüber muss man sprechen!

Logbuch Sophisterei 5.09.16

Liebe Freunde und Sophisten.  Die Sophisterei meldet sich zurück aus der Sommerpause. Einmal wöchentlich, ab jetzt immer montags, wird der Sophist in aphoristischer Form seinen Senf zur Lage der Menschheit, der Erde, des Universums,  des Feminismus, der Flüchtlinge, der Wirtschaft, Politik und Geschichte und natürlich auch´der Philosophie beisteuern. Darüber hinaus gibt es wie gewohnt auch gute Ratschläge für ein gelingendes und  Sinn erfülltes Leben.

Das schöne an solch einem Blog ist doch, dass man hier ziemlich unverblümt seine Meinung sagen darf.  Tatsächlich habe ich doch in letzter Zeit erlebt, dass Menschen auf Facebook wegen angeblicher “hatespeech” gesperrt wurden. Das ist natürlich ein Begriff, der so schwammig ist, wie Heideggers Seinsbegriff, dass man nahezu nach belieben alles darunter verstehen kann.  Eine klare Abgrenzung zwischen politischer Meinungsäußerung und “hatespeech” ist kaum möglich. Daher dient m. E. die ganze Sache doch mehr dem Zweck, unliebsame politische Meinungsäußerungen zu unterbinden.

Das Wesen der Demokratie ist, dass der Demos keinen Einfluss auf politische Entscheidungen hat. Aber einmal, alle vier Jahre, darf der Demos dann doch ein Kreuzchen hinter einem meist unbekannten Namen, einer Partei machen. Ein fürchterlicher Tag für die, die doch eigentlich nur eins wollen: Nämlich in Ruhe regieren und nicht behelligt werden mit den Sorgen und Nöten des Demos.  Mein konstruktiver Vorschlag: Wahlen einfach abschaffen! Stattdessen könnte auf ewig eine “Deutschlandkoalition” aus SPD, CDU und Grüne gebildet werden, die dann, sagen wir alle fünf Jahre untereinander die Ämter tauschen. Herrlich! Endlich  Ruhe und Frieden. Keine quälenden Fragen mehr, wem man seine Stimme geben soll. Und die Parteien hätten vor allem eins: Planungssicherheit.

Dass ist “hatespeech”, Herr Sophist!