Sophistereien 9

Beim Klimawandel und dem Videobeweis verhält es sich wie bei allen übrigen Religionen: Man muss nur stark genug daran glauben.

Mehr als ein wenig moralische Empörung anlässlich der Veröffentlichung der sogenannten “Paradise Papers” kann der Sophist nicht versprechen.  Zumal das Gebaren der Steuern vermeidenden Klasse im Große und Ganzen völlig legal ist. Ein bisschen Gejammer, ein paar lose Absichtserklärung der Politik, “da muss man endlich was ändern”,  und 14 Tage später wird die mediale Erregung wieder abebben. Und Bono, unser Retter der Welt, Kämpfer gegen Not und Hunger, trällert munter weiter.

Politische Korrektheit dient nicht dem Schutz von Minderheiten, sondern den Machtinteressen einer Minderheit.

Sophistereien 8

Im Vierten Buch von „Die Welt  als Wille und Vorstellung“ gibt Schopenhauer die Erklärung für die Häufung des menschlichen Elends. Nicht am Individuum, so erfahren wir, sei der Natur gelegen, sondern am Erhalt der Gattung Mensch. Zwar glaubt der Einzelne an den Wert seines Lebens, doch das ist eine Illusion. Einzelschicksale zählen nicht – solange es genug von uns gibt. Und es werden ja täglich mehr.

Das um sich greifende Denunziantentum in der Sexismusdebatte erinnert an die gesellschaftspolitische Praxis in Diktaturen.  Nicht nur wird angeklagt (#metoo), sondern die vermeintlichen Täter sind quasi verpflichtet, sich zu ihren Verfehlungen zu bekennen und selber an den Pranger zu stellen (#ihave).

Ist die Zensur erst einmal abgeschafft, fällt gar nicht mehr auf, was man nicht sagen darf.

Sophistereien 7

Das Wesen des Menschen ist seine Unbestimmtheit: Diese Unbestimmtheit unterscheidet ihn von den Tieren und allen anderen Dingen. Der Mensch ist das “nicht festgestellte Tier”, wie schon Nietzsche erkannte.  Nicht feststellbar, orientierungslos dahintreibend im Fluss der Lebenszeit, inneren und äußeren Verstrickungen ausgesetzt, permanenten Veränderungen unterworfen. Einzige Gewissheit: Die Gewissheit der eigenen Endlichkeit. Was gibt da Hoffnung? Die Religion? Nein! Wissen wir doch: Alle Religionen sind lediglich gedankliche Konstrukte, Märchenwelten, die die Fähigkeit, uns, die wir uns vernünftig nennen, verzaubern zu können, schon lange verloren haben.  Ein großer Verlust, wie viele beklagen. Wir müssen zurück – rufen sie. Doch wir können nicht. Die Kirchen bleiben leer. Unser aufgeklärter Geist sperrt sich. Unmöglich, ihn zu überlisten.  Der Mensch ist das unbestimmte Tier – hoffnungslose, sinnlose Existenz. Freiheit! Der Mensch ist frei! Und auf einmal erscheint die Unbestimmtheit des Menschen einen Sinn zu haben.  Denn: Frei sein kann nur ein Wesen, dessen Wesen eben unbestimmt ist.