Logbuch Sophisterei 15.11.16

Plato stellte sich den Bildungsgang der Seele als ein stetes Auf und Ab zwischen Wissen und Unwissenheit vor. So als führe sie wie im Fahrstuhl entweder nach unten oder nach oben. Die Rolle des Pädagogen  ist somit die eines Fahrstuhlführers. Sein Arbeitsauftrag lautet, diejenigen Seelen, welche sich auf dem Weg nach unten befinden oder bereits dort sind, zur Umkehr (Conversion) zu bewegen, den Schalter quasi umzulegen, und wieder zurück nach oben zu geleiten.

Was ist Philosophie?

Liebe zur Weisheit!

Was ist Weisheit?

Wissen, dass man nichts weiß!

Also liebt der Philosoph das Nicht-Wissen?

Deshalb ist er ja weise!

 

Die Kassiererin im Supermarkt zu einem Kunden: „Haben Sie alles gefunden?“ Antwort: „Ja, aber ich habe mich verloren!“

Logbuch Sophisterei 8.11.16

Nichtige Gedanken an “Nichts”

Eine existenzielle Krise ( weniger psychologisch, mehr philosophisch gedeutet ) findet ihren Auslöser nicht selten darin, dass uns auf einmal, scheinbar aus heiterem Himmel, unser Dasein als zutiefst fragwürdig erscheint. Irgendwo ist Sand im Getriebe, es läuft nicht mehr wie geschmiert, die Welt, das alltägliche Treiben, selbst die nächsten Menschen, vermögen einem nichts mehr zu bieten, werden uns scheinbar gleichgültig. Es ist, als wären wir von einer Art seltsamen Krankheit befallen, mit dem Unterschied, dass man nicht einfach zum Arzt oder zum Therapeuten rennen kann, um sich ein paar bunte Pillen oder eine nette Therapie dagegen verschreiben zu lassen. Wir wüssten auch nicht mal eine Antwort auf die Frage, was uns denn eigentlich genau fehlt. Das, was da in uns wühlt und uns aufwühlt ist nichts Konkretes, nichts Bestimmtes,  es ist nichts, und doch: gerade diese Unbestimmtheit ist das Bedrohliche, wir können es nicht fassen, dieses Nichts, und drohen, die Fassung zu verlieren.

Die Philosophie, besonders die Existenzphilosophie beschäftigt sich ebenfalls schon lange intensiv mit diesem Nichts, von dem man eigentlich nicht sprechen kann, weil es eben nichts gibt, worüber man sprechen könnte. Und trotzdem: Dieses Nichts ist nicht nichts, es ist permanent anwesend, stets lauert es im Hintergrund unserer Existenz!  Eine gute Antwort darauf, was man denn dagegen tun könne ( Ärzte und Therapeuten mögen mir verzeihen ), lautet: „Nichts!“ Klingt paradox, ist jedoch der beste Weg, diesem Nichts zu begegnen. Ein schönes, heute – in dieser rastlosen Zeit, die an jeden einzelnen von uns täglich  höchste Anforderungen stellt, kaum noch in Mode befindliches Wort dafür lautet: Gelassenheit! Und das bedeutet: Wir müssen lernen, dieses Nichts zu akzeptieren, in ihm vielleicht sogar einen guten Freund und Begleiter zu sehen, der uns von Zeit zu Zeit daran erinnert, dass nichts von den Dingen, mit denen wir uns täglich beschäftigen, die uns bedrängen und plagen, von Bestand sind, die sie sich irgendwann, wie wir selbst in nichts auflösen werden.  Mit dieser Haltung fiele einem auch die Antwort auf die Frage, „Was war denn?“  leicht:

„Es war nichts!“

Logbuch Sophisterei 1.11.16

Es ist mir ein Rätsel,  wie man annehmen kann, dass die Philosophie irgendeinen Beitrag dazu zu leisten vermag, das Rätsel des Lebens zu lösen.

Gestern stürzte ein Mensch in der U-Bahn auf mich zu: “Kennst Du mich denn nicht?”, fragte er und grinste mich breit an.  Ich war verlegen, konnte ihn nirgends einordnen. “Tut mir leid”, sagte ich, “helfen Sie mir auf die Sprünge!” Sein Grinsen wurde noch breiter: “Wir sind doch Freunde bei Facebook!”

Wittgenstein war in bestimmten Phasen seines Lebens um einiges lieber Gärtner als Philosophieprofessor.  Im Hegen von Pflanzen und Sträuchern sah er im Gegensatz zum Philosophieren einen Sinn.